Zehn Jahre Kreischreihe: Eine Bestandsaufnahme des Queeraktivismus

Handgemaltes Protestschild aus Karton, das auf dem Boden zwischen Taschen liegt. Auf einem regenbogenfarbenen Hintergrund steht in ausgeschnittenen Buchstaben: „MY FEMINISM WILL BE INTERSECTIONAL OR IT WILL BE BULLSHIT“. Slogans, die Teil der Kritik ist, die in den Sammelbänden der sogenannten Kreischreihe geäußert wurde.
Eine mittlerweile klassische Standardphrase aus dem ideologischen Baukasten des Queerfeminismus (Foto: C.Suthorn / cc-by-sa-4.0 / commons.wikimedia.org).


Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Till Randolf Amelung und Vojin Saša Vukadinović am 18. Dezember 2026 um 19 Uhr im VL — Ludwigstraße 37, Halle (Saale).

Auf Einladung der AG Antifa werde ich in der Vorweihnachtszeit nach Halle reisen und auf zehn Jahre „Kreischreihe“ zurückblicken. Hier die Ankündigung meiner Gastgeber:

Zehn Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Querverlag 2016 mit „Selbsthass & Emanzipation” den ersten Band der sogenannten „Kreischreihe“ veröffentlichte. Mittlerweile umfasst sie elf Sammelbände, die sich u.a. kritisch mit den queeraktivistischen und queerfeministischen Entwicklungen auseinandersetzen – darunter „Beißreflexe“ (2017), „Freiheit ist keine Metapher“ (2018), „Irrwege“ (2020), „Zugzwänge“ (2020) und „Siebter Oktober Dreiundzwanzig“ (2024).

Identitätspolitik als Ideologie

Herausgeber wie Patsy l’Amour laLove, Vojin Saša Vukadinović und Till Randolf Amelung haben darin gemeinsam mit anderen Herausgebern und Autoren immer wieder autoritäre Tendenzen und Sehnsüchte im queeren Aktivismus, offenen Antisemitismus, die Modernisierung des Rassismus und die Folgen einer zur Ideologie verfestigten Identitätspolitik thematisiert. Dafür waren sie in den vergangenen zehn Jahren nicht nur medial, sondern immer wieder auch persönlichen und politischen Anfeindungen ausgesetzt.


Zehn Jahre später ist es deshalb an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Was hat sich in dieser Zeit verändert? Wie aktuell sind die damaligen Debatten und Diagnosen noch? Was ist von der Kritik geblieben – und was ist möglicherweise tatsächlich überholt? Oder gilt, frei nach Kurt Tucholsky, einmal mehr die ernüchternde Einsicht, dass es Zeiten gibt, in denen alles nur noch schlimmer und schlechter wird? Darüber möchten wir mit Till Randolf Amelung und Vojin Saša Vukadinović diskutieren. Wir freuen uns auf einen erkenntnisreichen Abend – und auf den anschließenden gemeinsamen Umtrunk.

Till Randolf Amelung ist Publizist und Autor. Er beschäftigt sich insbesondere mit Geschlechterpolitik, Feminismus und queeren Bewegungen und hat 2020 den Sammelband „Irrwege” in der „Kreischreihe“ herausgegeben.

Vojin Saša Vukadinović ist Historiker und Publizist. Er hat drei Bände der „Kreischreihe“ herausgegeben, forscht zu Geschlechtergeschichte, Antisemitismus und Rassismus, und schreibt zudem Debattenbeiträge zum Zeitgeschehen.

Bilanz im Jahrbuch Sexualitäten 2022

2022 zogen wir zu dritt, also Saša, Patsy und ich, im Jahrbuch Sexualitäten fünf Jahre nach der Premiere des Sammelbands „Beißreflexe“ Bilanz. Während die einen 2017 die Veröffentlichung erleichtert aufgenommen haben, wurde das Buch von den Kritisierten verdammt. Was wir über unsere Motivation und die Rezeption dieser und weiterer Sammelbände der „Kreischreihe“ zu sagen hatten, haben wir in diesem kleinen Essay aufgeschrieben.

Cover Jahrbuch Sexualitäten 2022
208 Seiten, ISBN 978-3-8353-5269-8, 34,90 Euro.