USA: Detransitionerin erhält 2 Mio. Dollar

Kritik am gender-affirmativen Ansatz steigt

Die erste erfolgreiche Schadensersatzklage von einer detransitionierten Frau sorgt in den USA für breitere Diskussionen über gender-affirmative Behandlungen von Kindern und Jugendlichen.

Schwarz-weiß Foto von einem Ärzteteam bei einer Operation. Symbolbild für Artikel "USA: Detransitionerin erhält 2 Mio. Dollar"
Foto von Jonathan Borba auf Unsplash

Ende Januar verhandelte ein Gericht im US-Bundesstaat New York über die Klage der heute 22-jährigen Fox Varian. Die junge Frau hatte als 16-Jährige eine Mastektomie erhalten, weil sie unter Geschlechtsdysphorie litt und sagte, sie wolle fortan als Mann leben. Doch kurze Zeit später bereute sie die Operation, ihr Befinden besserte sich durch diese nicht. Ihren damaligen Behandlern, einem Psychotherapeuten und einem Chirurgen, warf sie vor, sie zu schnell Richtung Operation gelenkt zu haben. Vor Gericht musste die Jury darüber befinden, ob Varians Behandler sorgfältig genug gearbeitet hatten, bevor die Mastektomie durchgeführt wurde. Dies war offenbar nicht der Fall und so bekam die junge Frau 2 Millionen Dollar Schmerzensgeld zugesprochen.

Detransitionerin ändert medizinischen Konsens

Durch dieses Urteil ist in den USA die Stimmung gegenüber gender-affirmativen Behandlungen von Minderjährigen offenbar nun endgültig gekippt: Nur wenige Tage später veröffentlichte die American Society of Plastic Surgeons (ASPS) eine Stellungnahme, in der sie keine chirurgischen Eingriffe zum Zwecke einer Geschlechtsangleichung vor dem 19. Lebensjahr empfiehlt. Außerdem verwies diese Fachgesellschaft auf Untersuchungen der medizinischen Evidenzbasis in mehreren europäischen Ländern, die zeigten, dass Nutzen-Risiko-Profil für geschlechtsangleichende Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen ungenügend ist. Die American Medical Association (AMA) hat sich der Empfehlung der ASPS hinsichtlich chirurgischer Eingriffe angeschlossen, womit der lange zumindest oberflächlich vorhandene Konsens gegenüber gender-affirmativer Behandlungen in der US-amerikanischen Medizin offiziell perdu ist.

Für den Blog der Initiative Queer Nations habe ich über das Urteil und die darauffolgende Stellungnahme geschrieben:

Gelöste Blockade?

Interessanterweise war beim Prozess von Fox Varian mit Benjamin Ryan nur ein Journalist vor Ort, der danach exklusiv auf X und auf The Free Press darüber berichtete. Doch als die Nachricht über die erfolgreiche Klage die Runde machte, scheint sich nun eine Blockade in einigen US-amerikanischen Medien zu lösen. So brachte allein das Wall Street Journal kurz hintereinander drei Beiträge, die gegenüber gender-affirmativen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen kritisch eingestellt sind:

Breaking the Code of Silence on Gender Medicine

Gender-Affirming Care Needs a Lobotomy

What I Suffered Being ‘Transgender’

Blockade kann man The Atlantic nicht vorwerfen, da schon 2018 ein hervorragend recherchierter Artikel von Jesse Singal zu den kontroversen Punkten des gender-affirmativen Vorgehens bei Kindern und Jugendlichen erschienen ist, für den der Journalist Singal von Transaktivisten damals regelrecht mit Hass überschüttet wurde. Zudem darf seine britische Berufskollegin Helen Lewis wohl dosiert im besten liberalen Sinn kritische Texte dort veröffentlichen, so auch diesen:

The Tide Goes Out on Youth Gender Medicine

Ihr Schlusssatz fasst die Lage bündig zusammen:

Die Geschichte der Gender-Medizin für Jugendliche ist eine Geschichte von guten Absichten, Arroganz, Angst und Polarisierung. Sie ist auch eine vermeidbare Tragödie.

Untersuchungen wegen Verbrauchertäuschung

Wie Bloomberg berichtet, hat in den USA die Federal Trade Commission Ermittlungen gegen die  American Academy of Pediatrics und die World Professional Association for Transgender Health eingeleitet. Im Rahmen einer Verbraucherschutzuntersuchung, prüft die Behörde, ob die genannten Vereinigungen falsche oder unbegründete Behauptungen im Zusammenhang mit der Vermarktung oder Werbung für die Behandlung von geschlechtlicher Dysphorie bei Kindern aufgestellt haben.

Studie bezweifelt Nutzen

Während in den USA der Druck auf Anbieter gender-affirmativer Behandlungen von Kindern und Jugendlichen massiv steigt, ist im Januar eine Studie von einem Forscherteam aus Hongkong veröffentlicht worden. Darin wird in Frage gestellt, dass allein medizinische Eingriffe die psychische Gesundheit von Transpersonen verbessern. Vielmehr seien nicht-medizinische Faktoren wie soziale Unterstützung und Bewältigungsstrategien weitaus wichtigere Determinanten für die psychische Gesundheit dieser Personen.

Zur Studie: Effect of gender-affirming treatments on depression and anxiety symptoms in transgender people: a retrospective cohort study