Zwischen Identität und biologischer Realität – Wer ist eine Frau?

Alt‑Text: **Zwei nebeneinanderstehende, rustikale Holztüren im Freien, jeweils mit einem herzförmigen Ausschnitt und einem runden Holzschild. Das linke Schild zeigt eine stilisierte Figur mit Kleid für die Frauentoilette, das rechte eine Figur ohne Kleid für die Männertoilette. Die Türen wirken wettergegerbt und sind mit Metallbeschlägen versehen.**
Foto von Peter Mammitzsch auf Unsplash

Was bleibt vom Begriff „Frau“, wenn biologische Realität politisch durch Selbstdefinition ersetzt wird? Zwischen Freibad-Konflikten, Frauensport und feministischer Debatte zeigt sich: Die Frage ist längst kein akademisches Randthema mehr, sondern berührt Schutzräume, Fairness, Medizin und Grundrechte.

Transaktivisten und ihre Verbündeten sind in den vergangenen zwanzig Jahren international sehr weit damit gekommen, den Begriff des Geschlechts von seiner biologisch fundierten Bedeutung zu lösen und allein über die Identität zu definieren. In Deutschland ist das 2024 in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung.

Mit diesem Gesetz ist es Erwachsenen möglich, ohne nähere Offenbarung der zugrundeliegenden Motivation den Vornamen und Geschlechtseintrag zu ändern. Ich kritisierte den fehlenden Prüfmechanismus von Beginn an, da ich fürchtete, dass er zu massiven Konflikten vor allem in single-sex spaces führt. Fälle wie Marla-Svenja Liebich oder der Polizeikommissar aus Düsseldorf, der sich über Regelungen zur Frauenförderung schneller befördern lassen wollte, geben mir leider recht.

Verweis aus dem Frauen-FKK

Doch meine Bedenken beschränken sich nicht auf das deutsche Selbstbestimmungsgesetz, sondern richten sich universell gegen den Grundsatz der rein selbstbestimmten Geschlechtsidentität, die allein definitorisch tonangebend sein darf. Ein Vorfall vom vergangenen Sonntag in der Schweiz gibt mir in dieser Frage erneut recht: Da wurde eine biologisch männliche Transperson aus dem FKK-Bereich für Frauen eines Freibads in Bern verwiesen.

Optisch wurde sie von anwesenden Frauen als männlich beschrieben, sodass sich einige Frauen über den Mann in ihrem Schutzbereich beschwerten. Da die betreffende Person wohl nicht sonderlich kooperativ war, musste die Polizei hinzugezogen werden, was schließlich mit Abführen in Handschellen und auf der Polizeiwache endete.

Auch die Eidgenossen haben Regelungen zur Änderung des Geschlechtseintrags eingeführt, die auf dem Selbstbestimmungsprinzip basieren – seit 2022 sind sie in Kraft. Seit dem Vorfall im Berner Freibad tobt medial die Aufregung. In meinem Beitrag für IQN lege ich dar, warum bei der geschlechtlichen Wahrnehmung eben doch auch das Äußere entscheidend ist.

Kampf um den Frauensport

Gegen das Primat der selbstbestimmten Geschlechtsidentität wächst jedoch global seit ungefähr fünf Jahren aus verschiedenen Ecken Widerstand. In den USA erhalten diese Bestrebungen besonders durch die seit 2025 regierende Trump-Administration Rückenwind. Davor griff das Self-ID-Prinzip weitreichend um sich, bis es in republikanisch regierten Bundesstaaten angefochten wurde. In den demokratisch regierten versucht man noch, den Entwicklungen zu trotzen. Ein Ergebnis von Self-ID ist die Teilnahme von biologisch männlichen Minderjährigen und Erwachsenen am Frauensport. Gerade dies trug aber dazu bei, die Stimmung in der Bevölkerung gegen Trans kippen zu lassen.

US-Bundesstaaten wie West Virginia und Idaho haben Ausschlussregeln gegen die Teilnahme von biologisch männlichen Personen am Frauennsport erlassen, gleich zu Beginn seiner Amtszeit erließ Trump ein Dekret zum Schutz von Frauen- und Mädchensport. Gegen diese Regeleungen klagten zwei Transmädchen bis zum Supreme Court, dem höchsten Gericht in den USA. Doch nun urteilte dieses Gericht, dass die Ausschlüsse von biologisch männlichen Transpersonen vom Frauensport rechtens ist.

Mit einer Mehrheit von 6:3 stimmten die Richter und Richterinnen ab. Richter Brett Kavanaugh schrieb die Begründung für die Mehrheit. Darin heißt es: „Getrennte Sportmannschaften für biologische Männer und leibliche Frauen sind vernünftig: Angesichts der inhärenten körperlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern kann das Auftreten nur biologischer Frauen in Frauen- und Mädchenteams das Risiko körperlicher Verletzungen verringern und fairer Wettkampf gewährleistet werden.“

„Was ist eine Frau?“ – Gespräch veröffentlicht

Passend zu diesen Entwicklungen ist übrigens nun die Aufzeichnung des Podiumsgesprächs „Was ist eine Frau? Feminismus außer Rand und Band“ veröffentlicht worden. Vielleicht erinnern sich noch einige, dass ich Ende Mai vom „Club Volantaire“ eingeladen wurde, mit Inge Bell, Marie-Luise Vollbrecht und Ilse Jacobsen über die Probleme eines entbiologisierten Verständnisses von Frau zu sprechen – also genau über den Kern dessen, was für Konflikte sorgt.

Doch eifrige Aktivisten sorgten dafür, dass wir plötzlich ohne Veranstaltungsort dastanden. Asyl fanden wir schließlich in einem Filmstudio und so wurde aus der Präsenzveranstaltung eine Studioaufzeichnung. Da Ilse kurzfristig krankheitsbedingt ausfiel, hat sich Klara Müller per Videokonferenz dazugeschaltet.

Die Diskussion zusammengefasst: Wir argumentieren aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven, kommen jedoch in einem zentralen Punkt überein: Die politische Verschiebung vom biologischen Geschlecht hin zur reinen Selbstdefinition hat weitreichende Folgen für Frauenrechte, medizinische Praxis und gesellschaftliche Debattenkultur.

Im Gespräch wird herausgearbeitet, dass feministische Schutzräume, Förderprogramme und Gleichstellungspolitik historisch auf der körperlichen Realität von Frauen basieren. Gerade Inge Bell warnte davor, dass eine Auflösung dieser Kategorie nicht nur die politische Handlungsfähigkeit von Frauenorganisationen schwächt, sondern auch konkrete Risiken schafft – etwa in Medizin, Sport oder Gewaltschutz. Wir anderen schlossen uns dem vorbehaltlos an. Gleichzeitig kritisierten wir eine Debattenlage, in der wissenschaftliche Grundlagen häufig durch moralische Narrative oder aktivistische Mantras überlagert werden.

Debatte nicht nur Theorie

Wir sprachen auch darüber, wie sich Konfliktlinien innerhalb feministischer Organisationen verschärfen, wie Aktivismus und politische Förderstrukturen Debatten beeinflussen und warum eine Rückbesinnung auf klare Begriffe und wissenschaftliche Standards wichtig ist. Die Diskussion macht deutlich, dass die Frage nach der Definition von „Frau“ längst nicht nur theoretisch ist, sondern tief in gesellschaftliche, rechtliche und medizinische Bereiche hineinwirkt.

Bei tropischen Temperaturen von über 30 Grad in Hamburg war die Studioaufzeichnung kein Zuckerschlecken. Zumindest ich bin aber froh, dass das Gespräch auf diese Weise nun trotzdem ein Publikum erreichen kann. Möge sich nun jeder selbst ein Urteil bilden, ob der Furor der Aktivisten gerechtfertigt war und man diese Standpunkte tatsächlich nicht hören darf.